• Christian Hain

Nicht bloß in Palästen populär: Süß-saurer Neo-Futurismus von Lu Yang


(Berlin.) Niemand sage, er sei nicht gewarnt worden: Schon die für die Ausstellung des Deutschbank Artist of ze Year am konzerneigenen Palais Populaire werbenden Poster künden von Manga/Anime-Einflüssen, aber auch von Action Toys, martialischen Spielzeugfiguren der 1980er Jahre, sind dabei von einer bemerkenswerten Häßlichkeit - künstliche Kunst aus den Abgründen des „Uncanny Valley".

Überraschenderweise ist Lu Yang der erste (als Einzel-Preisträger) ausgezeichnete Chinese im zwölften Jahr der Würdigung, zu einem Zeitpunkt, da der China-Hype doch merklich abgeflaut ist (vielleicht kommt das aber auch genau darum gerade recht).

Eine durch und durch moderne Erscheinung, präsentiert Herr Lu - bzw. das Palais Populaire, er selbst war zu beschäftigt und die Auszeichnung eventuell auch nicht bedeutend genug, den Weg nach Berlin anzutreten - Portraits und Animationen hin zu animierten Kurzfilmen unterschiedlicher „Avatare", die einerseits aus der Digitalisierung von Aufnahmen realer Schauspieler entstanden, deren Gesichtszüge andererseits denen des Künstlers gleichen.


Ursprünglich Inkarnationen hinduistischer Gottheiten bezeichnend, ist der Begriff seit langem für Videospiel-Charaktere gebräuchlich und vor einigen Jahren gab es da auch einen überaus erfolgreichen Trickfilm... In einem Gruppenphoto, das ebensogut eine neue Ausgabe der „Street Fighter" Videospielreihe oder eine der immer noch sehr angesagten koreanischen Wiedergänger der Village People promoten könnte, zeigt der*die*das (dazu später mehr) Künstler mithin Gesicht als multiple Persönlichkeit, oder auch bloß verschiedene Facetten seines Charakters.

Jene sechs Avatare heißen „Human", „Animal", „Heaven", „Hell", „Hungry Ghost" (in chinesischer Folklore Eifersucht und Gier signifizierend) sowie „Asura", der zugehörige „Bandname" lautet „Doku" - zumindest taucht der Begriff regelmäßig im Kontext von Lus Schaffen auf (Berliner Ausstellungstitel: „Doku Experience Centre"). Bei dem Akronym soll es sich um eine Abkürzung der „japanischen Redewendung Dokusho Dokushi" handeln: „alleine geboren werden und alleine sterben" (ein dazu befragter japanischer Freund und Kollege bezeichnete diese als zwar existent, aber kaum gebräuchlich). Lautete Ihre erste Assoziation „Star Wars -> Count Dooku", ist das sicherlich auch nicht verkehrt sondern mitintendiert, ganz wie „Docu-mentaries" - zum Beispiel inszenierte Selbst-Dokumentationen der eigenen Belanglosigkeit auf Instagram und andere Docu-Fiction mehr: Lu nimmt, was er finden kann, bedient sich ganz postkulturell in der Welt als einem Kaufhaus, in dem er unbegrenzten Kredit hat.


Seine Werke wimmeln von Referenzen und Zitaten aus west-östlichen (Pop-)Kulturen, ausgerechnet Avatar „Human" läßt sich styletechnisch von „Tron" (1982), einem Meilenstein des Computeranimationsfilms, beraten, derweil ein anderer einen abgetrennten Kopf schwenkend diverseste Assoziationen von Indien: Todesgöttin Kali über pazifische Kopfjäger hin zu europäisch biblischer Malerei heraufbeschwört. „Animal" wiederum findet sich in einem Raumschiff Noah umgeben von nichtmenschlichen Spezies, nicht in Paaren, sondern eines jeder Gattung - haben jetzt etwa auch die Tier*innen einander die Gemeinschaft aufgekündigt, um nurmehr in homogener Masse*in unterzugehen?! Der schwebende Hai erinnert wohl nicht nur uns an Damien Hirst (und, wir gestehen es, „Sharknado").

Im Falle einer Schaufensterpuppe mag die Gesichtsmaske auf Samurai- und venezianische Tradition verweisen, in ihrer Anmutung von flüssigem Metall auch an „Terminator 2", während die Langhaarfrisur einerseits asiatische Zeichentrickfilmfiguren, in Verbindung mit dem dunklen Anzug wiederum die „Saw"-Filme evoziert. Ganz generell denken wir noch an Doppelidentitäten und Verwandlungen in Mangas/Animes und Amerikas Superheldenmythen.


In einem in - für manche potentiell zu: - intensive, geradezu schwindelerregend technisch-künstliche Farben getauchten Kurzfilm bemerken wir wiederholt das DB-Logo an den Häuserfassaden einer Stadt, in der sich ein „Avatar" Godzilla (oder war's King Kong?) -gleich austobt, das verbucht man wohl unter besonders inniger Sponsorenbeziehung. Dieser Film sei, so heißt es, von einer Nahtoderfahrung Lus inspiriert, zumindest erwachte er während eines Inlandsflugs aus einem Traum vom eigenen Verlöschen zu heftigen Turbulenzen in der Realität und „fühlte sich zugleich noch als die Person im Traum, als auch als der erwachte Träumer", was ganz plakativ auf den konfuzianischen Schmetterling verweist. Überhaupt finden sich in seinen Werken immer wieder Motive westlicher und östlicher Philosophien und Religionen verwurstet, die halbgebildete Fusion Cuisine bleibt aber stets an der Oberfläche - ob Indien, Japan oder China, Konfuzianismus, Buddhismus oder Hinduismus: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien".


Die Halbwertszeit von Graphikdemos und Videospielen ist gemeinhin kurz, im Gegensatz zu stärker an menschliche Fähigkeiten gekoppelte Stile mag der technische Fortschritt alle diese Werke bald schon überholt wirken lassen, wie nicht zuletzt ein weiteres Beispiel unterstreicht, da Lus Assoziationsjonglage rudimentär interaktiv wird und der Besucher vom Gamingsessel aus eingreifen darf. Zur Einführung hatten wir unkritischen Visionen technischen Fortschritts (der natürlich auch finanziert werden muß) gelauscht und auch die Wandtexte zitieren beifällig als „Post- und Transhumanismus" euphemisierte Phantasien von der Überwindung und de facto Auslöschung des Menschen. Bei der Verherrlichung moderner Dekadenz, der Dehumanisierung des digital entwurzelten Individuums als überholtes Objekt und Ware, darf eine Bank natürlich nicht fehlen, eigentlich ist das ja alles auch altbekannt, schon vor einem knappen Jahrhundert fand der geistesverwandte Futurismus seine größten Verehrer in totalitär materialistischen Systemen.


Ein das Ende der Menschheit bzw. aller menschlichen Welten zum Ideal verklärendes Manifest kann sich in gewisser Weise auf einen miß- oder jedenfalls nicht komplett verstandenen Buddhismus berufen, auch fabuliert Lu von zuschreibungslosen Massengliedern als „Erlösung" aus verkrusteten Strukturen und möchte man hier selbstverständlich stets einen „positive impact" leisten. In einem Werkkommentar lesen wir folgendes:

„Im Buddhismus ist es am erstrebenswertesten, im Reich der Menschen wiedergeboren zu werden, denn obwohl in der menschlichen Welt unvermeidliches Leiden durch Geburt, Alter, Krankheit, Tod erfahren wird und es Gewalt, Trennung, Ängste, gibt, hat der Mensch die Möglichkeit, zu lernen, sein Selbst und sein zerstörerisches Verhalten zu überwinden."


Welch ein hanebüchener Unsinn.


Ohne Anspruch auf Expertentum zu erheben: Das oberste Ziel des Buddhismus besteht im Erreichen des Nirwana-Zustands als Verlassen des samsara (des Kreislaufs von Leben=Leiden), mithin gar nicht mehr „wiedergeboren" zu werden: das Verlöschen im Durchschauen der Welt und, ganz unkartesisch: des eigenen Ichs als Illusion (excogitor ergo nullum?). Die Reinkarnationsreihen sollten erstens nicht in okzidentaler Fehlanalogie als Unsterblichkeit von Individualseelen verstanden werden, vielmehr geht es da um Abhängigkeiten im Kausalnexus - im Kugelpendel stößt eine die andere an, beeinflußt deren Winkel, Geschwindigkeit etc. - und zweitens existiert das Ich im Buddhismus ebensowenig wie die Welt, bzw. nur als Illusion (und nicht einmal platonische Idee): Die Erkenntnis der Welt als irreal „befreit" nicht den einzelnen, dieser hat niemals existiert, er erkennt bloß seinen Irrtum: Der Buddha durchbricht die Third Wall des teatro mundi und tritt von der Bühne, das Ende der Illusion bedeutet auch das Ende des sich selbst imaginiert habenden Schauspielers. Zu „bessern" aber gibt es nichts an der Illusion - sie ist. Nichtig.


Wie bereits die Wahl des Begriffs „Avatar" ignalisiert, spielen Lus Werke auch mit dem Hinduismus und wo wir schon einmal dabei sind - ACHTUNG: dieser Text entfernt sich jetzt vollends von seiner anläßlichen Ausstellungskritik und mäandert im folgenden als typischer Blogeintrag dahin: dort wiederum gilt das Erreichen des Moksha als dem Nirwanazustand vergleichbare Gemütsruhe (galēne in antiker griechischer Philosophien, ohne Reinkarnationsbrechung) als Ideal, nämlich wiederum die Bühne zu verlassen und weder Zuschauer noch gar Kritiker, sondern Hausmeister nach Feierabend zu werden, den das Stück nicht interessiert und das - hier allerdings noch (in gewisser Weise) existente! - Ich als Reflektion respektive Teil göttlicher Allkraft (atman ist brahman). Das Leiden der Welt akzeptiert der Hinduismus als letztenendes irrelevant, all dies fand bereits unendliche Male zuvor statt - und ist als bloßer Fakt seiner Existenz doch auch irgendwie großartig! (Dem Leben genügt sein Sein, gleich wie - wie sonst ließe sich die Existenz von z.B. Bandwürmern erklären?!) Übrigens, liebe Pflanzenfresser: die totale Moralität ist unerreichbar, auch wer Baum war, zerhackt im nächsten Leben den Holzfäller, wer Korn war, verspeist den Veganer lebendigen Leibes, wie Bhrigu im Satapatha Brahmana erfährt, die Stelle erlangte hierzulande einmal vorübergehende Berühmtheit dank Elias Canettis Zitat in „Masse und Macht".


Das alles ist komplizierter und in der Tat selbstwidersprüchlicher, als es westliche Schulwissenschaft gerne hätte und so gar nicht kompatibel zur Computerkausalität. Jenes Ideal der Erlösung als Lösung von der Welt bleibt dem Weisen, dem Lehrer, Guru, Yogi vorbehalten, gilt keineswegs „für alle" „gleich". Könnte und würde jeder Mensch das höchste Ziel erreichen, hörte die Welt überhaupt auf zu existieren - dies scheint nun aber doch nicht angestrebt: Das Nur-Sein strebt ins Theater. (In einer zugegebenermaßen weithergeholten Fastanalogie existiert im Judaismus die Annahme, daß wenn nur ein einziges Mal alle Juden den Sabbath fehlerlos begingen, die Ankunft des Messias die Welt wie wir sie kennen enden würde, wobei die Regeln dazu eine tatsächliche Verwirklichung wenn nicht theoretisch so doch praktisch nahezu ausschließen.) Nebenbei bemerkt muß auch irgendjemand die Weisen durchfüttern, zumindest solange diese ihre körperlichen Bedürfnisse noch nicht vollkommen bezwungen haben, was durchaus vorkommen soll.

Zum Moksha als Befreiung aus dem irdischen Dasein für die besten „Schauspieler" tritt daher das Dharma als Pflichterfüllung, dem großen Rest ist angeraten, sich an die ihm zugewiesene Rolle (existentialistisch gesprochen: Essenz, jedoch unfreiheitlich/tierisch vorgegeben) zu halten. Aller Schein, bzw. alles Leben im samsara ist nicht wesentlich und die Pflichterfüllung zugleich doch wichtig: der Protest, der Wille zur „moralischen" Besserung spricht naiv wie Arunja zu Beginn der Bhagavad Gita, der das Spiel überbewertet und mit der ihm unergründlichen Realität verwechselt - das Atman schlüpft in alle Rollen, niemand wird hier „wirklich" für alle Zeiten getötet, niemand leidet hier „wirklich", das ist nur alles nur Theater und der Spielplan zelebriert die ewige Wiederkehr des Immergleichen. Zwar schaffen „gute" Taten gutes Karma, nur definiert „gut" sich als drehbuchkonforme Erfüllung der zugewiesenen Rolle, z.B. auch als Nicht-Verlassen seiner Kaste in Störung prästabilisierter Harmonie.


Keinesfalls gilt es für die Selbstgratifikation zum „Guten" zu streben, zur Selbstbestätigung, -belustigung und Herrschaft nach Art der Weltverbesserer jeglicher Couleur (die im Endeffekt stets dem eigenen Narzißmus und Willen zur Macht Ausdruck geben), sondern wenn, dann nur als bloßes Da-Sein. Die Welt: ist, da gibt es kein besser oder schlechter, bzw. ist sie die beste aller möglichen (Inshallah, Kismet; die Wege des HErrn sind unergründlich). Fern von totaler Beliebigkeit und Unfestgelegtheit, die nach Gutdünken und Marketinghülle auswählt und konsumiert, sind die Rollen fest zugewiesen. Um endlich den Bogen zurückzuspannen: LuYang scheint sich nicht auf dem Weg zur Weisheit zu befinden, sondern der Überhöhung seiner Selbst und dem Erfolg seiner Kunstkarriere auf dem globalen Absatzmarkt verpflichtet.


Abschlüßlich noch einige Sätze zum Urheber:

Die bereits angesprochene potentielle schizoide Persönlichkeitsstörung (gewiß: die Existenz multipler Persönlichkeiten ist fachlich umstritten) ist nicht das einzige psychologisch auffällige Merkmal Herrn Lus, der lange Haare und Frauenkleider trägt, damit Anspruch auf weibliche Personalpronomen erhebt, wie das zur Zeit groß in Mode und geradezu pandemisch ist (in Berlin lassen sich manche Protagonisten des Kunstbetriebs die amerikanische Dummheit nicht nehmen, ihre gewünschten Pronomen zur E-Mailsignatur hinzuzufügen als wenn das irgendjemanden interessieren sollte... im englischen NewSpeak trägt das alternativ durchgezwungene Plural-They für das einstige Indiviuum als menschenverachtende Festschreibung der Masse übrigens auch jener schizoiden Störung Rechnung).

Im Umkehrschluß müßte natürlich jede Frau mit Kurzhaarschnitt und Jeans als „Transmann" gelten, aber hach, logisches Denken... und natürlich wird hier zur Abwechslung einmal nach inneren Werten diskriminiert: Herr oder Frau Lu also gehört zu jenen, die der Mehrheit Gewalt antun und zur Unterdrückung der eigenen Urteilskraft zwingen, bekanntlich sind wir im „freien Westen" inzwischen verpflichtet, das eigene Erkenntnisvermögen auszuschalten und die Psychose als objektive Realität anzuerkennen. Offiziell wird er als „nicht festgelegt" vorgestellt (selbst sein Geburtsdatum scheint umstritten, möglicherweise ist er also auch noch „non-lineary age fluid" - Deutschbankbänkers nennen 1985 und 1984 als potentielle Geburtsjahrgänge, in Shanghai - zumindest in letzterem Punkt herrscht Einigkeit). In einer ca. dreiminütigen Liveschalte aus Tokio als Höhepunkt der Eröffnungspressekonferenz trägt der Künstler ein schickes Halsband, den Adamsapfel zu verdecken, bemüht sich aber nicht sonderlich, seine natürliche Stimme zu unterdrücken und wirkt im übrigen hektisch, nervös, auf das eigene Image bedacht, verschiebt ständig Wasser- und Rosa Champagner-Gläser vor sich.


Toleranz bedingt bei all dem nur das Unterlassen aktiver Verfolgung und der Verordnung von Zwangstherapien, wobei eine potentielle Selbstgefährdung als Grenzfall gilt: die Frau, die sich für einen Vogel hält, „ganz gewiß auch fliegen könnte, wenn sie dies nur wollte" könnte - möglicherweise, gewiß ist das nicht! - zwangsweise am Take-Off vom Hochhausdach abgehalten werden. Tatsächlich gilt in unserer Realität selbst der hippokratische Eid als aufgehoben, wenn Mediziner Männern, deren Wahnvorstellung in dem „Wissen" besteht, „Frau" zu sein (bzw. ganz opportunistisch mit der Mode der matriarchalischen Gesellschaft zu gehen: immer schon Trendsetter) - getreu doch eigentlich überholter Rollenmodelle, jene mithin künstlich am Leben erhaltend: in unserer Moderne könnte doch wohl auch der nicht Schotte, Sufi oder buddhistischer Mönch seiende Rockträger „Mann" und „er/ihn/ihm" sein, ist ja unter der verbliebenen Marketinghülle eh alles effizient marktgerecht gleichgeschaltet - und „ganz gewiß auch gebären könnten, würde ,sie’ nur wollen" aktiv bei der Selbstverstümmelung assistieren.


Man mißverstehe das nicht: Jedermann hat das Recht, zu glauben was er möchte, sich und seine Welt nach Wahl zu konstruieren wie-die-wie-die-wie sie ihm gefällt - nur muß er sich auch den anderen nicht weniger Erkenntnisberechtigten stellen, bereit sein, sich mit der Realität anderer auseinandersetzen. Die persönliche Freiheit sollte stets an der anderer enden: In einer freien Gesellschaft muß ich das Recht anderer akzeptieren, mir darzulegen, daß ich nach ihrem Dafürhalten gar keine Lesbierin vom Mars sei, meine Pronomen nicht „awefgluaefg" und „aöqeöbfq" lauteten, selbst wenn mir das seit frühester Kindheit evident ist und mir es der alpha-centaurische Botschafter erst kürzlich wieder im Zwiegespräch bestätigt hat.


Selbstverständlich kann man auch so weit gehen, die Möglichkeit objektiver Wahrheit überhaupt zu bestreiten, das ist in der Tat eine sehr vernünftige Haltung. Nur bedingt dies eben den Wettstreit aller freigebildeten Realitäten und ist es absolut nicht zu rechtfertigen, wenn nurmehr eine einzige Wahrheit geäußert werden darf und das „Beleidigte Leberwurst Spielen" als „offended sein" noch juristische Konsequenzen nach sich zieht: Der einzelne muß die Freiheit auch anderer ertragen. Ob deren Meinungs- und Wahrheitsäußerung mich „beleidigt" ist irrelevant (als Sprechakte bedürfen Beleidigungen der Konvention, müssen also als solche intendiert sein), meine Selbstaffirmation darf nicht die Verletzung der Freiheitrechte anderer erzwingen. Auch wenn der neue Mensch*in sich als gänzlich ungebunden-willkürlicher Konsument im Zentrum des Universums definiert, sollten einzelne diesem homozentrischen Weltbild widersprechen dürfen: „Und sie dreht sich doch", bzw. „Der Abgeordnete ist ein Mann".


LuYang, Doku Experience Centre, 10. September 2022-13. Februar 2023, Palais Populaire